Etappe 5

Von Astorga nach Villafranca del Bierzo

Über Castrillo de los Polvazares gelangt man nach El Ganso, einem urigen Dorf, rastet kurz an der Roble del Peregrino und weiter nach Foncebadón ,wo oben auf dem Pass das Cruz de Ferro steht, ein Kreuz, an dem nach Pilgerbrauch man einen Stein niederlegt, den man – meist von daheim – mitgebracht hat und der das Symbol für die Last ist, derer sich die Pilger durch den weiten Weg entledigen wollen.


©Barbara Fohrer – El Ganso im Gegenlicht

©Barbara Fohrer – Cruz de Ferro

Wenn man einmal eine Nacht in der Einsamkeit dieser weiten Landschaft, der Maragatería, unter den Sternen verbracht hat, versteht man einiges besser: es ist absolut still, selbst die Vögel schlafen, man erschrickt schon, wenn man Kilometer weit entfernt einen Hofhund einmal kurz bellen hört. Bis zum Morgengrauen! Dann erwacht die Welt und zwitschert und singt….

Ein Stück weiter geht es dann endlich wieder bergab. Die Landschaft liegt weit dort – es ist ein Genuss, in die Ferne zu schauen!


©Barbara Fohrer – auf dem Weg nach Molinaseca

Nun erreicht man El Acebo und dann schließlich den Ort Molinaseca. Geht man über die Brücke über den Río Meruelo kann man unten an der Mühle die Pilger sitzen und ihre Füße pflegen sehen …


©Barbara Fohrer

Der Camino bringt den Pilger zu unglaublich schönen Orten, aber er ist auch sehr beschwerlich. Heutzutage vergleiche ich es oft mit einer Art Autobahn (z.T. laufen die Schnellstraßen sehr nah und fast parallel zum Camino). Früher waren es die unwegsamen Pfade durch Wald, Dickicht und Gestrüpp, über weite offene Flächen, auf die die Sonne bestialisch runterbrannte. Dazu kamen die unsäglichen Angriffe von Wegelagerern und Abenteurern auf die Pilger. Es wurde geraubt, gestochen, gekämpft, geschlagen, gemordet. Wer Glück hatte, kam durch.

Hier isst man sehr ländlich, aber schon aufwändig. Der „Cocido Maragato“ ist ein aufwändiger Eintopf, der aus mehreren Fleisch- und Wurstsorten und Kichererbsen gekocht wird. Brühe, Fleisch und Kichererbsen werden dann getrennt serviert.

17 v. Chr. kam die Maragatería siegten die Römer über die keltiberischen Asturer. Die Römer begannen, an den Flanken des Monte Teleno Gold zu schürfen, mit einer erstaunlichen Technik!

Plinius der Ältere beschreibt diese Technik als Durchlöchern der Berge, die dann mit großen Mengen Wassers überschwemmt wurden. Dies hat die Hügel im wahrsten Sinne des Wortes abgetragen. Das benötigte Wasser wurde über ein 100 km langes Kanalsystem aus der Sierra de la Cabrera herbeigeschafft, dessen Teile z.T. heute noch sichtbar sind.


©Barbara Fohrer – Las Médulas

„Die dritte Art (Gold zu fördern) übersteigt das Werk von Giganten. Die Berge werden mit Gängen und Stollen im Licht von Lampen ausgehöhlt … Monatelang sehen die Bergleute keine Sonne … Plötzlich stürzen die Spalten ein und verschütten die Arbeiter, so dass es weniger gewagt erscheint, Perlen und Purpurschnecken aus der Tiefe des Meeres zu holen. Wie gefährlich haben wir die Erde gemacht!“
– Plinius der Ältere, Naturalis historia 33, 70.

Laut Plinius wurden von 60.000 freien Arbeitern jedes Jahr 20.000 Römische Pfund Gold gefördert.

Als es sich mit dem Goldabbau erledigte, wendeten die Bewohner sich wieder der Landwirtschaft zu. Doch die steinigen Böden und das ungünstige Klima in den Montes de León zwangen die Maragatos, andere Wege zu gehen. Nach der Entdeckung Amerikas siedelten sie viele in den spanischen Kolonien an, und zwar in einem Gebiet an, das teils zu Argentinien und teils zu Uruguay gehört. Noch heute werden ihre Nachfahren Maragatos genannt.

Einiges gäbe es auch über Ponferrada, die Templerburg zu erzählen, doch gehen wir weiter Richtung Villafranca del Bierzo. Ein schöner kleiner Ort, eingebettet in eine tolle Berglandschaft und umgeben von Weinfeldern und -hängen.

Der Ort trägt auch den Beinamen: das kleine Santiago. Grund sind die vielen Pilgerherbergen und Kirchen. Der Ort wurde im 12. Jahrhundert ins Leben gerufen. Zunächst siedelten ausschließlich Franzosen hier. Die Pilger begrüßen zunächst die Kirche Santiago mit ihrem Nordportal, der Puerta del Perdón. Der Name rührt daher, dass diejenigen Pilger, die auf dem Camino erkrankten, bereits hier ihre Vergebung erhielten. Ganz in der Nähe liegt der Pilgerfriedhof. Sehenswert sind die Burg des Marques de Villafranca sowie die Kirche San Francisco.

Wenn mich der Eintopf der Margatería auch nie so recht anzog, die würzig gefüllten ‚Empanadas‘ aus El Bierzo (León), ähnlich denen aus dem benachbarten Galicien, zogen mich an, seit ich 1965 zum ersten Mal auf dem Jakobsweg war. Sie stellten damals wie ehemals ein nahrhaftes Essen für Landarbeiter und Schäfer dar. Heute ist es nicht nur Alltags- sondern auch Festtagsessen.

Die Weine, die in Kastilien-León eine Herkunftsbezeichnung (D.O.) erhalten haben, sind Cigales, Bierzo, Ribera del Duero, Rueda und Toro. Unter Cigales ist der Roséwein der unumstrittene König, während die Weine aus El Bierzo und Ribera del Duero Rotweine sind. Sie sind dunkel und leuchten manchmal wie Rubine oder haben die Farbe von Sauerkirschen. Rueda-Weine sind Weißweine. Ihr Strohgelb mit Nuancen von Grün oder Gold ist charakteristisch für sie. Ribera del Duero ist eines der besten Weinbaugebiete der Welt, an dessen Spitze der sagenhafte Vega Sicilia steht.

Empanadas gallegas de atún

Zutaten
Für den Teig
450 g Weizenmehl
150 ml Milch
150 ml Oliven- oder Sonnenblumenöl (ich bevorzuge Olivenöl)
½ Ei für den Teig, die andere Hälfte zum Bestreichen der Empanadas vor dem Backen
Eine Prise Salz

Füllung der Empanadas
1/ kg Zwiebeln
1 große rote Paprika
2 grüne Paprika
200 g Tomatensauce aus der Flasche oder dem Tetrapack
300 g guten Thunfisch in Öl
Olivenöl, Salz

Zunächst bereiten wir die Füllung vor.
Die Paprika waschen und zerschneiden. Putze sie und entferne das Kerngehäuse. Fein hacken. Die Zwiebeln schälen und fein hacken.
Öl in eine große Pfanne geben (der Boden sollte bedeckt sein), die Paprika und die Zwiebeln mit etwas Salz langsam darin garen – ca. 20 Minuten. Das Gemüse darf nicht braun werden oder anbrennen, die Zwiebeln sollten glasig sein.
Wenn es fertig ist, geben Sie alles in ein Sieb und fangen Sie den Öl-Bratensud in einer Schüssel auf, damit wir ihn später für den Teig verwenden können.
Gemüse wieder in die Pfanne geben, die Tomatensauce dazugeben, alles gut verrühren und ca. 5 Minuten köcheln lassen. Den Thunfisch dazugeben und etwas weiterschmoren.
Fertig ist der „sofrito“.

Zunächst den Öl-Bratensud und Olivenöl zusammengießen und abmessen – 150 ml. Geben Sie alles in eine Schüssel und fügen Sie die Milch und das halbe Ei (leicht verschlagen) hinzu. Das halbe Ei sollte ca. 30 g wiegen. Eine Prise Salz und das Mehl dazugeben. Mit einer Küchenmaschine oder einem Handknetgerät vermengen und kneten, zum Schluss mit der Hand. Ist der Teig zu trocken, fügen Sie etwas Milch hinzu, ist er zu feucht, etwas Mehl.
Der Teig sollte ca. 800 g wiegen. Teilen Sie ihn in zwei Teile, einer ca. 450 g und einer ca. 350 g. Formen Sie sie zu Kugeln. Legen Sie die Teigkugeln auf Küchenpapier, da sie sehr ölig sind und Flecken machen.
Dehnen Sie den größeren Teil des Teiges in die Form, die Sie der Empanada geben möchten. Ich habe die quadratische gewählt. Verteilen Sie die Füllung auf die Fläche und lassen Sie die Ränder deutlich frei. Dann decken Sie alles mit dem zweiten Teil Teig ab. Die Füllung soll vollständig abgedeckt sein.
Die Ränder hochziehen und verschließen und so dekorieren, wie Sie es möchten. Die Oberfläche mehrmals mit einer Gabel einstechen, damit sich der Teig nicht aufwölbt. Mit dem verbleibenden halben Ei die Oberfläche bestreichen.
Die Empanada auf ein Backpapier und ein Backblech legen und bei mittlerer Temperatur ca. 45 Minuten im Ofen backen. Abkühlen lassen und servieren.

   

  

 

Weiter geht es!

Im Ort La Laguna haben wir es nicht mehr sehr weit zum O Cebreiro. Hier treffen wir auf die Grenze zu Galicien!

 


©Sebastian Wallroth – Wikipedia – Galicischer Stein

Von jetzt an sind wir in der autonomen Provinz Galicia! Und hier wird galicisch gesprochen.

O Cebreiro ist ein Wallfahrtsort. Im 14. Jahrhundert ereignete sich in der Kirche ein Blutwunder: Die heilige Messe wurde von einem Mönch aus Aurillac in Funktion eines Priesters gehalten. In der Kirche war lediglich ein Bauer anwesend, der den harten Weg in das Bergdorf auf sich genommen hatte. Der Mönch hielt ihn deshalb für dumm, da er sich fragte, warum der arme Mann für ein Stück Brot solche Strapazen auf sich nahm. Da verwandelte sich die Hostie in Fleisch, der Wein in Blut. Den Kelch, galicischer Gral genannt, und die Patene kann heute in der Kirche bewundern.
Die runden Gebäude aus Naturstein mit einem Holzdachgestühl in O Cebreiro nennt man Pallozas. Das Strohdach ist sehr weit nach unten gezogen. Fenster und Türen gab es früher nicht, nur eine Einstiegsluke. Heute ist das freilich anders.


SanchoPanzaXXI – Eigene Arbeit – Wikipedia – Palloza am O Cebreiro

In Galicia werden wir immer mehr Fisch und Meeresfrüchte essen können.
In einem Dorf hinter dem O Cebreiro servierte mir eine Wirtin ganz stolz ihren wilden Spargel mit Gambas, obwohl wir gar nicht am Meer waren. Es war köstlich!
Leider ist in Deutschland wilder Spargel weniger oft zu bekommen. Daher habe ich frischen grünen deutschen Spargel genommen. Das Ergebnis ließ sich sehen.

Gambas mit wildem Spargel
24 Gambas ohne Schale
1 Bund Spargel (am besten wilder Spargel)
1 Knoblauchzehe
4 getrocknete rote Chilis
Gehackte Petersilie
50 cl Weißwein
Olivenöl
Salz
In einer kleinen tönernen Form den in Scheiben geschnittenen Knoblauch, das Öl und den getrockneten Chili gehackt geben. Wenn der Knoblauch leicht bräunt, die Gambas und den grünen Spargel hinzugeben. Geben Sie den Weißwein hinzu und lassen Sie alles zwei, drei Minuten köcheln.
Ein bisschen Petersilie gibt noch eine „grüne“ Note…. Und Weißbrot. Köstlich!
Dazu schmeckt ein trockener Weißwein!

Auf nach Santiago!

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